Druckkosten

Die Wahl des Filaments ist nicht ganz unwichtig für ein erfolgreiches Umsetzen einer Idee in ein Produkt. Hier kann alle Erfahrung geteilt werden.
Benutzeravatar
wolfkarst
Erfahrener 3D-Drucker
Erfahrener 3D-Drucker
Beiträge: 284
Registriert: Fr 23. Jan 2015, 23:05
Wohnort: Bad Nauheim
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 50 Mal

Druckkosten

Beitrag #1 von wolfkarst » Sa 28. Mär 2015, 20:11

Hallo,
nach einem etwas unschönen Erlebnis mit einem Bekannten (Ich sei ein Halsabschneider und würde andere Leute über den Tisch ziehen, weil ich als Selbstkosten 80-100€ statt seiner geschätzten 20€ angegeben habe) möchte ich hier mal eine Rechnung aufstellen, bzw. diskutieren lassen, was so ein Druck überhaupt kostet.

Ausgangspunkt ist hier für mich die vom Bekannten gelieferten STL-Dateien welche laut Cura und Slic3r in 38 Drucken insgesamt 1,362 kg an Filament bei einer Druckzeit von 10d7h benötigen.

Eine Rolle Renkforce PLA a 1kg kostet 31,99 € = 43,57 €
Wenn ich das PLA extra wegen der Farbe bestellen muss, brauche ich 2 Stück also 63,98 € - Alternativ kann ich auch rechnen, dass jeder 5 Druck daneben geht, also 52,28 €

Eine Strommessung mit einem Steckerleistungsmessgerät ergab, dass der Drucker im laufenden Betrieb inkl. des Raspberrys zur Ansteuerung 182W an Leistung benötigt.
0,2641 €/kWh * 0,182 kW * (24*10+7) =11.87 € -> bei 20% Fehldruck =14,25 €

Dann gibt es noch sowas wie Abschreibung der Anschaffungs- , Ersatzteil und Reparaturkosten:
Summe in 2 Jahren : 2500,- € => 3,42 € /Tag => 3,42 € * 10d7h = 35,20 € -> bei 20% Fehldruck = 42,24 €

Ich komme also auf reine Druckkosten von 66,55 € pro kg Filament bzw. unter Berücksichtigung von 20% Fehldrucke 79,86 € pro kg Filament. Meine eigene Zeit, etc. ist hierbei nicht einbezogen.

Rechne ich irgendwie falsch, oder wie sind Eure Erfahrungen (soweit Ihr schon mal nachgerechnet habt)

Gruss Karsten
Stark Modifizierte RF1000 ... u.a. Getriebe für Servos, neue Elektrik, E6V-Extruder, ...

Benutzeravatar
Digibike
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 2178
Registriert: Sa 6. Sep 2014, 13:19
Wohnort: Bei Heilbronn
Hat sich bedankt: 251 Mal
Danksagung erhalten: 373 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #2 von Digibike » Sa 28. Mär 2015, 20:58

Hi!

Nein, eigentlich nicht...
Es kommt drauf an, ob Gewerblich oder Privat. Generell ist ja das Filament schon locker berechenbar.
Der Strom ist auch. Rechner veranschlage ich mit 1,50 Euro und Drucker mit 1 Euro pro Stunde.
Wenn ich Zeichnen muß kommen noch 20 Euro pro h hinzu.
Damit habe ich meinen "guten Bekannten" - einer wollte keine 20 Euro für den Lego StarWars Darth Vadder
ausgeben und sein Sohn wollte Ihn unbedingt, sollte ich mal eben Zeichnen und DRucken.... Hab dann nur
gemeint, Druckkosten wären so ca. 7,5 Euro - war begeistert. Dann hab ich nach der Datei gefragt, die er
dann natürlich nicht hatte... Da hab ich dann gemeint, ich solle die also noch nach Bild nachzeichnen - Vorlage
zum Abmessen hab ich ja nur die normalen von meinem Junior... Da kämen nochmal 4 h dazu, da wären wir
also bei 87,5 Euro für die Figur - die ich Ihm dann aber für 7,5 Euro Pro weitere Nachdrucken könne.... :woohoo:
Danach wollte er komischerweise doch nicht mehr die Figur selber gedruckt haben - zumal er Sie noch anmalen
müßte...
Ein anderer Kollege wollte daß ich, wenn ich das richtig verstanden habe, Nähgarnrollen für die Firma seines
Cousins drucke. Spritzguss wäre zu teuer, meinte ich würde Sie billiger drucken - Wären ja nur so ca. 20000 Stück
pro Monat... Klaro - kaufe 200 Drucker und Drucke dann 24 h Pro Tag 365 Tage im Jahr für 1 Cent Pro Stück, um
den Guss zu unterbieten - er meinte, daß wäre ein "gutes" Geschäft - vermutlich schon - für seinen Cousin... :lol:

Das Problem ist, die Leute hören, daß das Teil so und soviel gramm wiegt und eine Rolle mit 1 Kg ca. 40 Euro
kostet - und du hast ja das Maschinchen schon...
Das die Maschine sich Abnützt, gewartet werden muß, man gelegentlich neue (bessere) Software braucht, Der
Rechner verschleißt und das Teil und man selber Zeit und Geld investieren muß, sehen Sie nicht! Geiz ist Geil
Mentalität halt...!

Ich würde dir als Tip geben, wenn es engerer Bekanntenkreis ist und du dich "rehabilitieren" willst/meinst zu müssen,
geb Ihm doch mal die Adresse eines Kommerziellen Anbieters - Da kann er die Einsenden und sich ein Angebot machen
lassen - mal sehen, ob er dann immer noch der Meinung ist, daß du ein "halsabschneider" bist... ;)

Ich sag den Leuten immer, daß ist kein neues Produktionsverfahren um etwas billiger zu machen, sondern sogenanntes
Rapid Prototyping! Ich kann damit schnell und damit günstig, weil Zeit ein hoher Kostenfaktor ist/sein kann und ich keine
zusätzlichen Tiefziehformen oder Spritzguss-Maschinen brauche, einzelstücke anfertigen, aber Umsonst bzw. für die paar
Cent für´s Laminat ist augenwischerei...
Einem ganz hartknäckigen Kollegen habe ich auch schon vorgeschlagen, daß er sich selber einen kauft - komischerweise
war das ihm zu teuer und er hätte dafür keine Zeit... Da hab ich nur gemeint, ach, aber meine Familie kann ich vernachlässigen - ist ja nicht deine, nicht wahr...
Seitdem kennt er meine Ansicht dazu - ich mach gern, aber weder Umsonst noch zu Dumping! Wenn ich das mache, muß auch was in der Kasse landen, um mit der Familie mal einen Schönen Tag machen zu können - als Ausgleich sozusagen. Ansonsten steht es jedem anheim, es a) selber zu probieren oder b) Professionell fertigen zu lassen oder c) sein zu lassen...

Vielleicht etwas Krass, meine Einstellung, aber bin damit bisher gut gefahren!

Gruß, Christian
Du suchst Hilfe bei Druck(er) Problemen? Dann lies bei der Anfrage hier "Lösung für Druckeinstellung/Hardwareprobleme gesucht?" durch und beantworte die
Fragen in deiner Anfrage - so wissen wir recht schnell, wo der Schuh drücken könnte!

Benutzeravatar
druckttoll
Erfahrener 3D-Drucker
Erfahrener 3D-Drucker
Beiträge: 244
Registriert: So 7. Dez 2014, 21:28
Wohnort: Ruhrgebiet
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 23 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #3 von druckttoll » Sa 28. Mär 2015, 22:47

Hallo zusammen,

für gute Freunde (alter Schule, nicht Facebook) und Familie mache ich gerne etwas. Dafür bekomme ich auch immer etwas (anderes) zurück.
"Aufträge" von Kollegen oder Bekannten vermeide ich grundsätzlich. Das ist wie Digibike schon schriebe. Die möchten ein Schnäppchen machen, was nur funktioniert, wenn ich meine Leistung nicht angemessen bezahlen lasse.
Ich verweise auch immer gerne an einen Dienstleister. Der kann effizienter arbeiten als ich und hat seine Dienstleistung so kalkuliert, dass er (hoffentlich) davon leben kann. Ich mache das als mein Hobby und für meine Bauprojekte!
Ich bin davon überzeugt, dass wir als Hobbyisten die Qualität und die Preise eines professionellen Dienstleisters beim besten Willen nicht unterbieten können. Nicht ohne Leistungen zu verschenken.

Viel Spaß beim Hobby!

Ciao for now
drucktnich

Benutzeravatar
wolfkarst
Erfahrener 3D-Drucker
Erfahrener 3D-Drucker
Beiträge: 284
Registriert: Fr 23. Jan 2015, 23:05
Wohnort: Bad Nauheim
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 50 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #4 von wolfkarst » Sa 28. Mär 2015, 23:18

Danke für den Zuspruch ... mir ging es zwar mehr um die sachliche Seite, es tut aber gut zu hören, dass anderen auch sowas passiert.
Stark Modifizierte RF1000 ... u.a. Getriebe für Servos, neue Elektrik, E6V-Extruder, ...

Benutzeravatar
Digibike
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 2178
Registriert: Sa 6. Sep 2014, 13:19
Wohnort: Bei Heilbronn
Hat sich bedankt: 251 Mal
Danksagung erhalten: 373 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #5 von Digibike » Sa 28. Mär 2015, 23:45

Hi!

Kalkulatorisch habe ich dir ja schon verraten, wie ich vorgehe.
Dann kommt es darauf an, ob Kommerziell oder eben für gute Bekannte...
Soweit ich das bisher bei meinem beurteilen konnte, paßt es Kalkulatorisch vom
Aufwand und den (Verschleiß-)Kosten.

Ich unterscheide da auch noch etwas, ob mich das Projekt reizen würde und wie
gut der "Bekannte" ist. Ist´s einer der einen nur kennt, wenn er was will/braucht oder
immer auf möglichst umsonst bei Top Qualität aus ist, Rechne ich eben voll und das
heißt, ich kalkuliere 1 h Anwesenheit =20 Euro Pro Druck mit ein, da ich ja den Drucker
noch Aufrüsten, die ersten Schichten überwachen muß usw., d.h. da kommen nochmals
20 Euro hinzu - schließlich entscheiden die ersten Lagen ja von vornherein, ob´s was wird
oder nicht... Ab der4.ten Lage weiß ich i.dr. schon ob der Druck klappt oder nicht, aber bis dahin
sitz ich immer schön brav daneben...
Wenn dann noch Muttern eingegossen werden sollen, wirds nochmal 3 Euro teurer - muß ja
timmen, daß ich da auch da bin um die Muttern zu plazieren...
Und für eine CAD nochmal pro h aufwand 20 Euro - schließlich muß ich anfertigen, hab also
den Zeitaufwand und wenn´s nicht paßt, wer ist dann schuld...?

Bei interessanten Projekten und guten Bekannten, geht´s auch schonmal für Filamentkosten
mit 2 Multipliziert - aber das sind dann wirklich seeehr gute Bekannte, die auch gern mal helfen und
ein sehr interessantes Projekt haben - und vor allem keinen Großauftrag... ;)

Gruß, Christian
Du suchst Hilfe bei Druck(er) Problemen? Dann lies bei der Anfrage hier "Lösung für Druckeinstellung/Hardwareprobleme gesucht?" durch und beantworte die
Fragen in deiner Anfrage - so wissen wir recht schnell, wo der Schuh drücken könnte!

Benutzeravatar
druckttoll
Erfahrener 3D-Drucker
Erfahrener 3D-Drucker
Beiträge: 244
Registriert: So 7. Dez 2014, 21:28
Wohnort: Ruhrgebiet
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 23 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #6 von druckttoll » So 29. Mär 2015, 11:41

Hallo Karsten,

Deine Aufstellung halte ich für absolut korrekt. Zusammen mit einem Arbeitslohn von 20,- würde ich eher von einer Aufwandsentschädigung sprechen. Profit machen geht anders. Lohnnebenkosten, Betriebsstätte, bla.

Ciao for now
drucktnich

Benutzeravatar
Digibike
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 2178
Registriert: Sa 6. Sep 2014, 13:19
Wohnort: Bei Heilbronn
Hat sich bedankt: 251 Mal
Danksagung erhalten: 373 Mal

Re: Druckkosten

Beitrag #7 von Digibike » So 29. Mär 2015, 12:29

Hi!

Hmmh! Mag sein, aber die werden ja nur fällig pro CAD-Stunde... Hab mir da zwar schon einiges angeeignet, aber würde nicht behaupten, daß ich mit einem technischen Zeichner oder gar Konstrukteur mithalten kann - von daher würd ich das dann schon eher als Abzocke ansehen... ;) Die ersten 4 Lagen sind ja nicht eine Dauer von 1 h i.dr., aber von immenser Wichtigkeit, von daher Rechne ich da einen kompletten Stundenlohn ab. Da bezahlt er praktisch meine Erfahrung mit dem Gerät und Druckverfahren.
Ist meine Kalkulation - muß jetzt nicht für jeden paßen, legte nur meine Herangehensweise dar. Aber ich bin weder Gewerblich noch erhebe ich Allgemeingültigkeit, aber es hält den Leuten vor Augen, daß die Arbeit einen Wert hat, also Wertig ist und nicht umsonst zu haben ist, darauf ziele ich ab und vermeide, daß jeder meint, er könne allen "Schei..." bei dem Idioten für lau oder einen Apfel und ein Ei haben...
Für Gewerblich müßte ich dann noch die Auslastung der Geräte durchschnittlich, eventuell zusätzlich benötigtes Personal (Ehefrau z.b....), Miete der Büroräume, abzuführende Steuern, Gewinnspanne usw. rechnen, aber ich denke, wir sprechen hier nicht von Gewerblich, sondern von Gefälligkeit und Kostendeckende Hilfsleistung - nennen wir´s mal so... ;) Bei der Gefälligkeit kalkuliere ich, daß ich auf jedenfall nicht drauf lege und bei kostendeckender Hilfsleistung seh ich zu, daß ich auch einen entsprechenden Aufwand entschädigt bekomme (Freizeit, die ich Opfern muß und meine Familie auf mich verzichten muß, entschädigen, so daß ich zu anderer Zeit mit Familie was unternehmen kann - so kommt kein Groll auf und wie gesagt, dem "Auftraggeber" wird vor Augen geführt, daß die Leistung einen gewissen Wert hat und entsprechend vergütet werden muß, wenn man Sie in Anspruch nehmen will...).
Wie gesagt, wenn jemand meint, daß sei zu teuer - siehe meine 3 alternativen Lösungsvorschläge... ;)

Gruß, Christian
Du suchst Hilfe bei Druck(er) Problemen? Dann lies bei der Anfrage hier "Lösung für Druckeinstellung/Hardwareprobleme gesucht?" durch und beantworte die
Fragen in deiner Anfrage - so wissen wir recht schnell, wo der Schuh drücken könnte!


Zurück zu „Filament“