Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

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shaddi
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Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #1 von shaddi » Mo 19. Jan 2015, 13:50

Servus,

ich kämpfe gerade mit dem Problem, dass sich das PLA nach oben krümmt, sobald auch nur ein wenig Überhang entsteht. Das steigert sich dann von Layer zu Layer immer mehr und sobald diese Wulst dann dick genug ist und genug abgekühlt ist, fährt irgendwas der Extruder dagegen und reisst das ganze Modell vom Heatbed. Was dann kommt ist klar: Spaghetti :)

Habe in anderen Foren gelesen, dass man hier mehr Kühlen muss. Habe dann auch mit dicken Ventilatoren getestet die fast das Bauteil weggeblasen haben :) Hat aber eigentlich eher das Gegenteil bewirkt.
Ganz ohne Kühlung wölbt es sich nicht mehr nach oben, aber hängt dann eher runter und verursacht total unschöne Flächen.

Wie geht ihr damit um? Was kann ich hier machen?

Ich habe leider kein eigenes Foto zu Hand gehabt aber ich habe eins aus einem Parallel-Univerum geklaut :=)

bye,
Karl
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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #2 von riu » Mo 19. Jan 2015, 15:56

Hallo Karl.

Du musst die Balance zwischen Kühlung, Drucktemperatur und Druckgeschwindigkeit finden.

Als Erstes musst du mal mit der Temperatur runter, wenn es ohne Kühlung runterhängt. Als 2. Kühlung am Extruder auf 50% und den Speed etwas erhöhen oder verringern - je nachdem.

Schreib doch mal deine Druckparameter und das exakte Material. Dann müssen wir nicht so raten :P

Gruß,
Udo

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shaddi
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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #3 von shaddi » Do 22. Jan 2015, 09:27

Ich habe noch ein wenig herumprobiert. Diesmal mit den war-dabei Settings im aktuellen RF1000-Repetierhost mit Slic3r mit dem Namen "RF1000_PLA300_200_05".

Die Werte hier sind:
Layer: 0.2mm
Permimeters: 50mm/s
external Perimeters: 70%
Travel: 130mm/s
Filament 3mm, first: 230°C, other: 215°C
Heatbed: first: 60°C, other 55°C
Retract: 1mm, 16mm/s, min-travel: 1mm (die Länge finde ich etwas wenig, wenn ich sehe dass hier Leute teilweise >6mm fahren, oder?)
Fan: 20%-100% Automatisch

Vielleicht auch interessant: ACC-Werte sind im Start-GCode auf X3000 Y3000 Z100
Filament ist Nunus PLA Schwarz von Amazon mit "Drucktemperatur: 180-210 Grad Celsius"

Ich muss noch ein paar Fotos vom Endergebnis machen.. Aber in dem Video sieht man sicher auch schon, was ich meine:
https://www.youtube.com/watch?v=41H46Q7QA40

Oo
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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #4 von Oo » Do 22. Jan 2015, 09:48

Hi,

hab das gleiche Problem bei einigen Objekten...
Ist echt ärgerlich, wenn es dir nach Stunden wegen so was das Objekt vom Druckbett hebt...
Ich versuche mich gerade am Kleeblattlüfter um da ein bisschen gegenzusteuern.
Kleeblattlüfter

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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #5 von rf1k_mjh11 » Do 22. Jan 2015, 09:50

shaddi,

Im Video gut zu sehen ist die Tatsache, dass der Kunststoff im vorherigen Layer noch butterweich ist. Da bleibt die Düse daran hängen und zieht das Material vom vorigen Layer durch das Darüberfahren hoch. Die Layer-Zeit bei dem Druck ist kaum 10 Sekunden!

Um einen 'schnellen' Test durchzuführen mache einfach folgendes:

Druck das selbe Stück wieder aus - der selbe G-Code! Aber, so bald der Drucker beginnt die Pyramidstreben zu drucken, stelle den "Speed Mul." -Wert am Drucker selbst auf 40 oder 50% ein. Den Wert findet man unter "Quick Settings". Nur ja NICHT "Flow Mul." ändern. Theoretisch kann man auch Repetier-Host dazu verwenden - ist dir überlassen.

Sieht dieser Druck dann etwas besser aus, wissen wir dass entweder
a) die Kühlung nicht ausreicht
b) die Temperatur zu hoch
c) die Layer-Zeit zu kurz (d.h. in diesem Fall die Druckgeschwindigkeit zu hoch ist)
oder eine Kombination davon zutrifft.

Sieht der Druck mit verlangsamter Geschwindigkeit nicht besser aus, müssen wir weiter überlegen.

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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #6 von shaddi » Do 22. Jan 2015, 10:38

Danke für die Tipps!

Japp, genau deswegen habe ich das Video gemacht. Das quetscht die neuen Schichten einfach in das weiche Zeug drunter :)
Ich habe versucht den Speed per LCD bis auf 40% zu drehen. Das hat nicht wirklich viel gebracht was sich aber dadurch erklären lässt, dass die heisse Düse dann einfach nur länger an der gleichen Stelle rum-heizt und die Schichten drunter wieder erwärmt.

Im Video sieht man auch ein wenig von meinem Versuch der Lüftungsoptimierung. Ich habe dazu so ein Lüftungs-Rohr designed und auch mal mit einem extrem überdimensionierten Lüfter probiert. Die Ergebnisse wurden sogar noch schlimmer bei zu viel Luft!

Die Drucktemperatur habe ich sogar mal bis zu 185 Grad runter gedreht. Aber unter 190 Grad wird der Druck in der Düse so stark, dass der Extrudermotor es nicht mehr durch bekommt und sogar Schritte verliert. Die F-Werte sind dann jenseits der 10.000 :)

Ich probiere das heute nochmal mit dem selben GCode und 40% Speed...

bye,
Karl

Edit: Ich habe mal meinen GCode und das STL mit angehängt. Vielleicht mag ja jemand probieren :)
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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #7 von rf1k_mjh11 » Do 22. Jan 2015, 14:42

shaddi,

Ich habe zum Spaß den G-Code 'runtergeladen und ausprobiert.

Aber OHNE Filamentvorschub. So wie der soggennante "Dry Run" in Repetier-Host. Ich habe einen anderen Trick verwendet, allerdings. Mit einem einfachen Editor habe ich die Temperatur-Befehle rausgesucht und auskommentiert (alle 'M109 und M104). Damit wird der Extruder nicht beheizt. Und die Firmware verhindert ein Extrudieren unter 160°. Damit erreiche ich, dass sämtliche Wege abgefahren werden, ohne Filament zu verbrauchen.

Ergebnis meines Versuchs: die Layer-Zeit im problematischen Bereich ist unter 7 Sekunden! Das ist extrem kurz. Ich habe bei mir, als Beispiel, eine Minimal-Vorgabe von 18 Sekunden pro Layer. Ist die Layer-Zeit kürzer, wird der Drucker automatisch um so vieles langsamer, damit ein Layer wieder 18s dauert. (Diese Einstellungen findet man in Slic3r unter "Filament Settings", "Cooling").

Ich schreibe das ganze deswegen, da bei deiner Layer-Zeit von unter 7s, auch eine Verlangsamung auf 40% noch immer eine Layer-Zeit von NUR 15 oder 16 Sekunden entstehen lässt. Auch diese Zeit ist vielleicht zu kurz. Trotzdem solltest du eine Verbesserung erkennen können. Falls du das noch vor dem Druckversuch liest, gehe sicherheitshalber auf nur 30-35% herunter.

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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #8 von shaddi » Do 22. Jan 2015, 15:01

Danke für deine Analyse. Das klingt sehr vielversprechend!

Mein Druckversuch wird erst so gegen 21-22 Uhr stattfinden :)
Aber ich glaube ich versuche dann einfach direkt im Slic3r den Wert höher zu drehen.

Das Modell ist aber auch rein zum Quälen von solchen Settings :silly:

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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #9 von shaddi » Mo 26. Jan 2015, 11:09

So, mal ein Bild mit neuen Settings:


Was ich geändert habe:
Min-Layer-Time: 18s
Min-Speed: 2mm/s
Lüfter manuell auf "aus". Wenn ich den Lüfter laufen lassen, wölbt es sich leicht wieder.

Jetzt nudelt er pro ecke wirklich ewig rum :)

Dann wölben sich die Kanten scheinbar gar nicht mehr; wirklich hübsch wird die innere Kante aber nicht. Wenn ich mit der Extruder-Temperatur weiter runter gehe (215°C default aktuell) wird es wieder schlimmer mit dem Wölben.

Ich glaube langsam, das Filament ist einfach mist. Kann das sein?

Achja: Retract auf 3mm mit 45mm/s. Die 1mm und 16mm/s aus den defaults ist totaler Mist. Viel zu langsam und zu wenig, das suppt unten fröhlich weiter..
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Re: Kanten/Ecken bei PLA wölben sich nach oben

Beitrag #10 von georg-AW » Mo 26. Jan 2015, 12:29

Hallo shaddi

Ich kenne das Problem nur allzu gut. Ich drucke sehr häufig kleine Objekte. Den Effekt ,wie du ihn beschreibst , habe ich regelmässig.
Dabei werden meist sehr kleine Flächen bereits wieder bedruckt bevor sie sich genügend abgekühlt haben. Wenn der retract zu klein ist, tritt während der Fahrt zur nächsten Position bereits etwas Material aus der Düse welches zuerst auf die immer noch sehr weiche Stelle deponiert wird. Während des Druckes dort wird das Teil nach unten gedrückt ( kann man in deinem Video sehr gut sehen )
Es federt wieder hoch, ist natürlich aber zu dick weil der korrekte Druckanteil als auch das fälschlichwerweise rausgelaufene Material deponiert wurde. Der Zustand wird immer schlimmer, solange bis die Düse die kleinen Teile abknickt oder abbricht.

Abhilfe bringt meiner Ansicht und Erfahrung nach folgendes:

- langsam Drucken, grösserer retract ( 5-8mm ! ), Lüfter auf max, und was sehr viel bringt:: drucke mehrere gleiche Objekte
zur selben Zeit auf die selbe Fläche aber etwas auseinanderliegend. Alternativ kannst du auch ein Opferobjekt im grösseren Abstand mitdrucken. Während dessen Druck kann sich das Miniaturobjekt abkühlen. Layer 0.1mm oder 0.06mm, Düse 0.5 oder evl. 0.3mm.

Ich habe zudem festgestellt, dass Kleinobjekte welche mit simplify3D gesliced und gedruckt werden , besser rauskommen wie etwa mit Cura das der Fall ist. Ich verwende übrigens eine abgewandelte Form des Kleeblattlüfters. ( ein 25x25mm Lüfter und zwei 17x17mm Lüfter ) Funzt sehr gut. Leider ist je nach Objekt die Wirkung des Lüfters verschieden. Der ansich schon inhomogene Luftstrahl wird vom Objekt selbst verwirbelt und zwar so, dass andere Stellen zu wenig Luft abbekommen. Da hilft nur ausprobieren.
Generell kann man da keine Empfehlung abgeben.

Ich habe mir ein Testobjekt konstruiert was relativ klein ( 30x30 mm ) ist und eine Vielzahl von Elementen enthält. Damit überprüfe ich die optimale Einstellung der Maschine bei bestimmten Filamenten und Bedingungen zb. Düsendurchmesser. Aber man muss schon zugeben, dass der Druck kleinster Objekte auf dem RF1000 etwas heikel ist.... ( sehr heikel )
Beispiel unten ( man kann darin auch noch kleine Fehler sehen. ZB werden bei einer 0.5 Düse natürlich Wände mit 0.25mm Breite nicht gesliced oder gedruckt )..

ciao Georg
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