Erste Erfahrungen mit ASA

Die Wahl des Filaments ist nicht ganz unwichtig für ein erfolgreiches Umsetzen einer Idee in ein Produkt. Hier kann alle Erfahrung geteilt werden.
Timm
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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #11 von Timm » So 22. Mär 2020, 11:03

Hallo zero K,

Ich glaube da verallgemeinerst du zu sehr. Es gibt viele Bauteile/Drucker/Material Kombinationen die vielleicht funktionieren, aber eben auch genug die nicht funktionieren.
1. ASA ist ungleich ASA, es gibt viele Filamente, von stark modifiziert mit sehr wenig Verzug bis zu fast rohen Grades die stärkere Verzugsneigung aufweisen.
2. Deine Bauteile sind flach. dünnwandige, hohe Bauteile haben sehr wahrscheinlich geringere Temperaturen im Bauteil. Schnapp dir, wenn möglich, einfach mal eine Wärmebildkamera. Grds. bringt mehr Hitze im Bauteil ein entspannteres gefüge, unabhängig davon ob Verzug sofort sichtbar ist oder nicht.

Viele Grüße
Timm

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #12 von AtlonXP » So 22. Mär 2020, 11:46

Hallo Leute,

Bauraumheizung hin oder her.
Jeder muss seine Erfahrungen selber machen.

Fakt ist, fast jedes Bauteil möchte seine eigenen Druckparameter haben.

Im Allgemeinen halte ich unsere Bettschubser für nicht gut geeignet, um eine Bauraumheizung umzusetzen.
Wir haben sehr viele Komponenten im Bauraum, die höhere Temperaturen nicht sehr mögen.
Ideal ist, wenn das Druckbett steht und man das Meiste, über die Bettheizung machen kann.
Ich stelle mir eine Abschirmung um das Druckbett herum vor, wo die Wärme nur nach oben weg kann.
Dazu darf das Bett natürlich, keine Fahrbewegungen machen.

Zum Thema Material entspannen:
Ich unterschätze dieses Thema nicht mehr.
Meine ABS Teile, werden nach dem Drucken, oft in kochendem Wasser entspannt.
Die werden kurz durchgekocht, wie Spagetti.
Es erhöht die Stabilität enorm, auf Zugbelastung!

LG AtlonXP

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #13 von Fred » So 22. Mär 2020, 14:00

Servus beieinander,

Meine ABS Teile, werden nach dem Drucken, oft in kochendem Wasser entspannt.
Die werden kurz durchgekocht, wie Spagetti.
Es erhöht die Stabilität enorm, auf Zugbelastung!


Super, da hört man ja wieder ganz was Neues - merci AtlonXP, ich werde das auch mal versuchen, geiler Tipp! :danke:

Ich habe gerade einen Quader gedruckt, 20x20x10mm, Boden 1,2mm, Wandstärke 2mm, innen hohl, um der Maßhaltigkeit ein wenig auf die Spur zu kommen.
Einstellungen mit 0,1mm Layer + Lüfter wie gehabt.
In X und Y hatte ich jeweils -0,2mm Abweichung, Z passt 100 Pro, ebenso die Wandstärke, kein Verzug oder Schrumpfung. Gemessen mit einem analogen Messschieber mit 1/50 Nonius, den digitalen Schätzeisen trau ich nicht so ganz!
Das Ganze werde ich jetzt mit 40x40x10mm wiederholen um festzustellen ob sich die Abweichung linear überträgt.
Dann kommt ein drittes Teil mit 3 Löchern, 4mm, 5mm und 6mm. Hier möchte ich wissen um welches Maß ich die Bohrungen größer zeichnen muss.
Mal sehen, was dabei raus kommt, bin schon gespannt. Außerdem ist es eine schöne Sonntagsbeschäftigung.
Übrigens, der Beitrag auf der Tube ist wirklich interessant, der Typ hat da noch mehr brauchbares auf Lager. Leider quatscht er nur englisch und ich muss mich wieder mal richtig anstrengen um alles zu verstehen. Leider ist das heute wohl so üblich, bei vielen unserer Meetings wird sich auch nur noch in Englisch unterhalten obwohl nur Deutsche am Tisch sitzen. Manchmal kommt es mir so vor, als wollten unsere Mitarbeiter - frisch von der Uni - damit ihre "geistige Überlegenheit" zeigen. Dann werden ja auch noch Fantasienamen aus dem englsichen erfunden und zusätzlich natürlich auch noch abgekürzt. Sogar unsere Vor- und Nachnamen erhält man nur noch abgekürzt in den Protokollen! Wäre alles ok wenn uns die Kerle dann in fachlichen Angelegenheiten auch überlegen wären, was aber nur selten der Fall ist :evil:
Ich hab leider kein Abi und hab auch noch keine Uni von innen gesehen. Hab zwei solide Berufe gelernt und mit 30 den Techniker draufgelegt. Mir reichts, fachlich können mir im Betrieb nur wenige was vormachen und um die neue Uni-Sprache zu lernen bin ich leider schon ein wenig zu betagt - einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr! :) :)

Einen schönen Sonntag Euch allen,
Grüße aus Straubing,
Fred
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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #14 von AtlonXP » So 22. Mär 2020, 14:50

Du kannst in der Tube den Untertitel einschalten
und diesen auf Deutsch übersetzen lassen.
Unser Urlaubsenglisch werden wir wohl in nächster Zeit nicht mehr brauchen. :-(

LG AtlonXP

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #15 von anwofis » So 22. Mär 2020, 15:21

@Fred:
Du kannst ja mal in meinen "RF1000 Umbau" schauen: da habe ich eine Bauraumheizung eingebaut.

Funktioniert ganz gut und bei ca 70°C im Bauraum geht normales ABS (auch große Teile) ohne Warping/Curling/Risse zu drucken. Sollte wshl. bei ASA ähnlich sein. (Sonst gibt es noch so smartABS o.ä. welches leichter zu drucken ist. Gibt's vielleicht auch für ASA?)

@AthlonXP:
Die Profidrucker haben teils auch Motoren/Schalter/Riemen etc. im Bauraum. Und sind auch nur Blechkisten.
Ich denke 70-80°C im Backofen :p machen nicht so viel aus.

Von der Mechanik her wäre natürlich sowas wie ein Ultimaker oder CoreXY sicher besser ;)

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #16 von zero K » So 22. Mär 2020, 15:35

Tempern der Modelle ist eine schicke Sache, verbessert es die mechanischen Eigenschaften eines homogenen, soliden Körpers doch sehr deutlich.

Abkochen wie Spaghetti in kochendem Wasser halte ich für problematisch, weil unsere Druckerzeugnisse weder homogen noch solide sind.
In Abhängigkeit von lokalem Modellvolumen, Wandstärke und Füllgrad kommt es sehr unterschiedlichen Halte- und Durchwärmzeiten.
Zu dem ist die Layerverbund in Abhängigkeit der Bahnparameterisierung nicht überall gleich.

Wenn tempern, dann in einem Brutschrank mit Rampensteuerung für einen reproduzierbaren Temperatur/Zeitverlauf.

Da nicht jeder weiß wo ein ausgemusterter Brutschrank herum steht, kann man vielleicht auch einem alten Umluftbackofen mit einer Rampensteuerung versehen.
Hier gibt es auch Kollegen die sich einen "Backofen" in einen RFx000 gebaut haben.
Darin direkt nach dem Druck den Temperprozess durch zu führen wäre aber suboptimal, blockiert er doch den Drucker.

Derzeitig wäre mir der Aufwand, auch der für die Energie zu hoch.
Aber wenn jemand so ein Tempergerät baut wäre es schon interessant.

Gruß zero K

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #17 von AtlonXP » So 22. Mär 2020, 20:31

zero K hat geschrieben:Tempern der Modelle ist eine schicke Sache, verbessert es die mechanischen Eigenschaften eines homogenen, soliden Körpers doch sehr deutlich.

Abkochen wie Spaghetti in kochendem Wasser halte ich für problematisch, weil unsere Druckerzeugnisse weder homogen noch solide sind.


@zero K, mach dir wegen meinem ABS keine Sorgen, ich sage nur es funzt.
Bei manchen PA Sorten, wird es sogar ausdrücklich empfohlen, weil es dem Zeug einfach guttut!
Einfach selber testen.

Ich sage da nur: Metalle gehören in den Backofen und Kunststoffe in den Kochtopf! :mrgreen:
Mahlzeit… Micro geht besonders schnell! :coolbubble:

Ob es mit ASA auch noch geht, kommt auf die Daten des Materials an.
Ich würde da einfach, mal was Kleineres testen.

Es kann natürlich schon sein, dass 100 C° für ASA schon zu hoch sind.
Man merkt es dann gleich, wenn das Teil seine Maße verändert.

LG AtlonXP

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #18 von zero K » So 22. Mär 2020, 21:05

Guten Abend AtlonXP

Getempert habe ich bisher nur PLA+, keine Ahnung mehr wo, aber hier im Forum wurde davon berichtet.
Die kurzen Zeiten konnte ich aber nicht nachvollziehen.
Ich fand auf und absteigende Rampen von maximal 1 °C/min und Haltezeiten bei 60 °C von 50 min. (daher der Brutschrank oben)
Dabei erzeugte ich einen Schrumpf von etwa 0,8 bis 1,3 %.
Das war schon nicht mehr so gut wenn zwei Fügepartner nicht im selben Druckjob erstellt wurden.

Mit der höheren Festigkeit von ASA habe ich den Bedarf zu Tempern nicht mehr.

BTW: ein Microwellenofen zum Tempern geht das wirklich? Wir haben keinen zum Testen.

Gruß zero K

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Re: Erste Erfahrungen mit ASA

Beitrag #19 von AtlonXP » So 22. Mär 2020, 21:27

Nein !!!

Es war natürlich „das Wasser kochen im Micro gemeint“!
Tempern bringt nur was wenn ein Kristallgitter vorliegt!
ABS ist höchsten Teilkristallin!

Es geht hier nur darum den Kunststoff knapp an seine Erweichungstemperatur zu bringen, damit sich die Verspannungen verteilen können. (Layerbrüche zu verhindern)
Es darf sich maßlich, so gut wie nichts verändern.
Ansonsten hast du den Kunststoff schon zu weit erwärmt.
PLA und PETG scheidet somit aus!
Bei manchen PA Sorten, wird zusätzlich durch die erhöhte Feuchtigkeitszugabe, der Versprödung des PA entgegengewirkt.

LG AtlonXP


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